Ablauf eines Forschungsprozesses

Ablauf eines Forschungsprozesses

(Institutionen geben häufig eine allgemeine Zeitschiene an euch Studierende aus. Anhand dieser Zeitschiene kannst du erkennen in welchen Zeiträumen welche Schritte anstehen.)

Die Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit bedarf viel Vorarbeit, Arbeit und Organisation. Für Bachelorarbeiten ist normalerweise eine 10-wöchige und für Masterarbeiten eine 6-monatige Bearbeitungszeit angesetzt. Vor der Bearbeitungszeit muss aber schon viel Vorarbeit erledigt werden und viele Vorüberlegungen gemacht werden. Woran musst du alles denken? Welche Schritte müssen durchlaufen werden? Ich habe dir hier im nachfolgenden alles zusammengefasst, was meines Wissens und meiner Erfahrung nach wichtig ist. MEHR LESEN

– Erfülle ich alle Zulassungsvoraussetzungen?

(z.B. ECTS-Punkte und Kursbelegungen)

– Habe ich eine*n geeignete*n Betreuer*in?

(Man kann sich jemanden suchen, ansonsten wird einem jemand zugeteilt. Ich würde euch aber empfehlen einen geeigneten zu suchen und sicherzustellen, dass deren Interesse an eurem Thema ebenfalls geweckt ist und im Optimalfall die Zusammenarbeit gut klappt.)

– Habe ich mein Thema gefunden?

Für die Themenfindung nehme dir bitte ausreichend Zeit! Super ist es auch, wenn man in Rücksprache mit dem/der Betreuer*in geht und gemeinsam auf eine optimale Fragestellung kommt. Seine/Ihre Expertise kombiniert mit deinem Interesse ist häufig erfolgsversprechend. Sehr gerne darfst du mich auch hier kontaktieren, falls du Hilfe brauchst. 

Zu beachten: Falls eine Rekrutierung notwendig ist, ist es sehr wichtig frühzeitig zu überlegen, ob und wie und mit welchem Aufwand dies möglich ist. Bei Experten, Probanden und Therapierenden beispielsweise, ist oft eine frühzeitige Bemühung und Rekrutierung mit ausgiebiger Rücklaufzeit einzukalkulieren. Bitte denke daran, dass die Bearbeitungszeit i.d.R. begrenzt ist.

Mein Tipp: Formulare/Anschreiben etc. für die Rekrutierung und den Zeitraum der Rekrutierung und das Format schon bei Abgabe des Proposals fertig haben

– Welche Methodik möchtest du anwenden? Hast du überprüft, ob deine Wahl geeignet ist?

– 4 Schritte zur Methodik: https://www.scribbr.de/category/methodik/

– Welchen Titel trägt deine Arbeit?

– Formulierungshilfe: https://www.scribbr.de/aufbau-und-gliederung/titel-bachelorarbeit/

Keine Sorge, der Titel kann bis kurz vor Abgabe geändert werden. Hierfür ist i.d.R. ein schriftlicher Antrag beim zuständigen Prüfungsamt nötig.
Wichtig zu beachten: Titel, Abstract und Schlagwörter werden häufig verwendet, um eine erste Selektion vorzunehmen. Anhand der gewählten Begriffe entscheiden ForscherInnen häufig, ob eine Arbeit potenziell interessant und relevant sein könnte. – Du solltest dir daher die verwendeten Begriffe gut überlegen!

– Die erste abzugebende Arbeit ist das Proposal oder das Exposé. An manchen Institutionen wird es auch (oder zusätzlich) in Form eines Kolloquiums durchgeführt. DROP-DOWN

Hier präsentierst du deine Ideen, deine bisherigen Überlegungen, deine Forschungsfragen, deinen Plan, dein geplantes Vorhaben, einige Recherchen zum theoretischen Hintergrund und deine Ziele.

Die Seitenzahl ist sehr variabel (2-20 Seiten je nach Arbeit). Erkundige dich daher bitte bei deiner Institution darüber, wie viel gefordert ist. Auch lohnt es sich zu fragen, welche Informationen es umfassen soll und wie ausgiebig es sein soll, denn auch hier gibt es individuelle Ansprüche, wie Formulare und Ausgiebigkeit der Erarbeitung.

– Hier ein paar super Hilfestellungen:

https://www.scribbr.de/aufbau-und-gliederung/expose-bachelorarbeit/

https://studybees.de/magazin/expose-was-ist-das-eigentlich/

https://karrierebibel.de/expose-schreiben/

https://www.studieren.at/infos/uni-abc/expose/

– Auch kann diese Arbeit bereits erste statistische Berechnungen umfassen. In quantitativen Arbeiten kann so beispielsweise das Verzerrungsrisiko oder ein Konfidenzniveau gefordert sein (siehe auch quantitative Forschung: Statistik). Am besten du schaust dir gleich schon einmal die Qualitätsüberprüfung von Studien an, dann weißt du worauf wert gelegt wird beim wissenschaftlichen Arbeiten. Auch solltest du erwähnen, dass ethische Aspekte und Datenschutz berücksichtigt werden.

– Je nach Vorhaben ist ein Ethikkommissionsantrag notwendig. Das kannst du für dich selbst prüfen. Die Ethikkommission deiner Institution stellt i.d.R. einen Basisfragebogen zur Verfügung, anhand dessen du dein Vorhaben unter ethischen Aspekten bewerten kannst. Es kann sogar sein, dass dieser von allen Antragstellern gefordert ist. (Mehr dazu hier: Ethische Aspekte der wissenschaftlichen Arbeit)

Je besser und genauer du arbeitest bei dieser Vorarbeit, desto leichter wird dir das Erstellen deiner Arbeit fallen. Mein Rat an dich ist daher sich ausgiebig Zeit zu nehmen und sich die Mühe zu machen alles sehr akribisch zu planen und zu durchdenken! Du wirst später merken, dass dir das Verfassen leichter fallen wird, denn du hast mit deinem Proposal einen Arbeitsplan, den du „lediglich“ abarbeiten musst und weißt aber ganz genau, was auf dich zukommt. (Mehr dazu hier: Arbeitsschritte)

– Nachdem du auf Grundlage dieser Vorarbeit einen Zulassungsbescheid bekommen hast, beginnt mit einem Stichtag der Bearbeitungszeitraum.

Alternativ:

– ggf. Bewilligung mit Hinweisen: diese sind unbedingt zu berücksichtigen ggf. Rücksprache halten

– Bei einer Ablehnung erhält man Auflagen und hat eine Frist das Proposal/Exposé erneut einzureichen.

Dies ist tatsächlich ein sehr hilfreicher Schritt, denn so weißt du genau, was du vergessen hast oder auch, worüber du mit deinen Betreuungspersonen nochmal sprechen solltest.

Beginn der Bearbeitungszeit ist auch der Beginn der Datenerhebung. Jetzt erarbeitest du alles, was du im Proposal/Exposé geplant hast. DROP-DOWN

Zur Bearbeitung wird zwischen zwei Verfahrensarten unterschieden: Es gibt das Wasserfallverfahren und das Iterative Verfahren.

Ich empfehle dir das iterative Verfahren. Hierfür überlegst du dir am Anfang was deine Arbeit alles umfassen soll – du entwirfst also deine Gliederung als ersten Schritt, dem die Recherche und Ausarbeitung der Inhalte, die Formulierung, sowie die Feinjustierung folgen. Dadurch hast du sofort deinen roten Faden und deine Erarbeitung, samt deiner Ideen und Gedanken lassen sich sehr leicht und übersichtlich notieren. – So wirst du an alles denken und behältst den Überblick!

Alternativ dazu wird beim Wasserfallverfahren ein Kapitel nach dem anderen „perfekt“ erarbeitet und geschrieben. Es kann dadurch schwerer fallen, das große Ganze im Blick zu behalten und insbesondere bei Zeitmangel am Ende müssen die wichtigsten Kapitel (Diskussion und Fazit) unter erhöhtem Druck geschrieben werden. Man läuft außerdem Gefahr Gedanken nicht notiert zu haben und etwas zu vergessen.

Deine Betreuungsperson(en) sind deine Ansprechpartner*innen. Bitte beachte jedoch, dass du oft nur eine begrenzte Anzahl an Betreuungsgespräche (oft 3-6) zur Verfügung hast! Du solltest im Kontakt mit ihnen sein, aber dennoch eigenständiges Arbeiten zeigen. (Mehr dazu hier: Allgemeine Tipps und Hilfe: Betreuungsgespräch)

– An manchen Institutionen ist eine Zwischenstand-Präsentation im Rahmen einer Prüfung gefordert. Es kann wie ein Fachgespräch stattfinden und häufig sind Mitstudierende dabei, wobei der aktuelle Stand der Arbeit aufgezeigt wird.

Nach einer kurzen Vorstellung der Arbeit können dann offene Fragen oder auch Schwierigkeiten diskutiert werden. Man kann es also als Chance ergreifen Hilfe zu bekommen und fachkundige Meinungen einzuholen.

– Nach der Fertigstellung, dem Korrekturprozess und ggf. der Plagiatsprüfung erfolgt die Abgabe der Abschlussarbeit. (siehe auch Allg. Tipps und Hilfen: Korrektur)

– i.d.R. in digitaler und in gedruckt-gebundener Form mit (sofern vorhanden)  Anhängen (Siehe auch: Drucken)

– Nach der Abgabe wird die Präsentation deiner Arbeit im Rahmen einer Verteidigung, auch Disputation genannt gefordert. Hier wirst du deine Arbeit übersichtlich und zusammenfassend präsentieren. Auch werden dir hier jedoch Fragen gestellt, die überprüfen sollen, ob du die Arbeit tatsächlich selbst erstellt hast. (Siehe auch: Präsentation)

– Und dann darfst du dir zu guter Letzt Gedanken zu dieser Frage machen: Möchtest du publizieren? (Siehe auch: Publikation)