Rekrutierung

Rekrutierung

Häufig braucht man für die Durchführung einer Studie Teilnehmer*innen, wie z.B.:

– Therapierende,

– Probanden/Probandinnen,

– Experten/Expertinnen und/oder

– Kollegen/Kolleginnen, die mit einem Forschen wollen.

Die Qualität deiner Rekrutierung ist nicht unwesentlich an der Qualität und dem Ausmaß des Erkenntnisgewinns beteiligt. Mühe, Vorüberlegungen und Organisation lohnen sich also!

Mein Hinweis: Für diesen Prozess ist unbedingt ausreichend Zeit einzuplanen!

Die nachfolgenden „Schritte und Hinweise“ werden in deiner Methodik festgehalten (Hier unter „Methodik“ mehr dazu). Mache dir daher Notizen (am besten mit einem Programm) dazu und halte deine Überlegungen und Recherchen fest, damit sie nachvollziehbar sind! MEHR LESEN

Was gibt es bei der Rekrutierung zu beachten? DROP-DOWN

Die rechtliche Grundlage im Bereich der Heilkunde bildet das ‚Heilmittelwerbegesetz‘ (als PDF zum Download).

Grundvoraussetzung für die Durchführung einer Studie ist eine positive Stellungname der Ethikkommission mit der Erlaubnis der Durchführung der Studie. Dadurch bestätigt ist die Erfüllung der ethischen Standards, vor allem die Sicherheit aller Teilnehmer*innen und die freiwillige und informierte/aufgeklärte Teilnahme (Hier mehr dazu). Daher musst du, bevor du mit der Rekrutierung beginnst, folgende Formulare haben, die von Teilnehmenden unterschrieben werden müssen: (siehe auch hier)

Informationsschreiben „Informed Consent“ für Teilnehmer*innen

Einverständniserklärung

Eine Rekrutierung ist im Regelfall zeitaufwändig und beeinflusst dadurch die zeitliche Planung deiner Studie wesentlich! – Bitte plane ausreichend Zeit und einen Puffer ein!
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein eine Diversität der Teilnehmer*innen anzustreben. Zum Beispiel, dass interviewte Personen von verschiedenen Institutionen und Orten sind. Für manche Studien ist jedoch das Gegenteil der Fall und man strebt eine möglichst homogene Gruppe an. Dies ist im Kontext deiner Forschungsfrage zu klären. (Mehr dazu hier.)

Eine Vergütung von Teilnehmenden (z.B. von Therapierenden) im Leistungsrahmen ist nicht ausgeschlossen, aber ggf. mit Interessenskonflikten verbunden. Daher wird davon abgeraten und nach Möglichkeit abgesehen. Falls dennoch notwendig ist dies mit der zuständigen Ethikkommission zu besprechen und abzuklären. (Mehr Infos zu den ethischen Aspekten findest du hier)

Wie geht man bei der Rekrutierung vor? DROP-DOWN

1. Zunächst steht die Suche nach potenziell geeigneten Teilnehmenden an. Dabei ist zu beachten:

– Dass man sich Zeit für die Aufklärung nehmen sollte. Dies erfüllt nicht nur wissenschaftliche Standards, sondern erhöht erfahrungsgemäß auch die Chancen, dass Interessierte wirklich Teilnehmer*in werden. Eventuell müssen auch Dritte, wie Familienmitglieder oder andere Beteiligte, wie pflegendes oder medizinisches Personal informiert werden. Das Ziel dieser Gespräche ist, dass garantiert ist, dass alle jede Information verstanden haben – insbesondere auch forschungs- oder fachspezifische Begriffe. Insbesondere bei Studien mit Placebo Gruppen ist sicherzustellen, dass sie wissen, dass möglicherweise auch keine Intervention und damit auch kein (potenzieller) Nutzen besteht! Es gibt ein paar Ideen wie man das umgehen kann:

– man den Teilnehmenden, die in der Placebo Gruppe waren nach Abschluss der Studie die gleiche Therapie anbieten

– Cross-over-Studie durchführen (hier mehr dazu)

– Es sollte sich bemüht werden einen persönlichen Kontakt herzustellen. Zumindest aber sollte jede*r Teilnehmer*in eine*n persönliche*n Ansprechpartner*in haben, die proaktiv arbeitet, erreichbar ist und auf Fragen Antworten geben kann. Damit kommt man der optimalen, sicheren Versorgung und Information der Teilnehmer*innen nach und erhöht die Chancen auf die Teilnahme der Interessierten.

– Nach und während der Rekrutierung ist zu reflektieren, welche Motive die Teilnehmer*innen haben – warum sie an der Studie teilnehmen wollen. Sollten diese Motive den ethischen Grundlagen wissenschaftlicher Forschung nicht entsprechen (z.B. finanzielle Beweggründe) dürfen sie nicht an der Studie teilnehmen. (Mehr dazu hier)

2. Deinen zukünftigen Teilnehmenden solltest du nach der Aufklärung eine informierte Bedenkzeit geben oder zumindest anbieten. Danach ist es sinnvoll, dass du sie nochmal persönliche kontaktierst, dich erkundigst, ob Unklarheiten oder Fragen bestehen. Mit diesem Vorgehen vermeidet man erfahrungsgemäß Drop-Outs im Verlauf der Studie und arbeitet unter hohen ethischen Standards.

3. Danach erfolgt die (freiwillige!) Signatur aller notwendigen Unterlagen (hier mehr dazu). Hierbei geschieht auch nochmal eine sorgfältige, individuelle Abwägung der Ein- und Ausschlusskriterien der Studie und somit eine finale Überprüfung der Eignung der Personen. Der Wahrheitsgehalt ist nach allen Möglichkeiten sicherzustellen, daher reflektiert man auch die Vorgespräche, sowie die gemachten Angaben (z.B. zu Vorerkrankungen). Hierfür können auch Dokumente Dritter, wie Arztbriefe, Befunde und Untersuchungsergebnisse hinzugezogen werden.

4. Der Beginn der Studie sollte nun am besten zeitnah geschehen. Nach der Terminvereinbarung im Einverständnis mit dem/der Teilnehmer*in empfehle ich nach wie vor proaktiv zu sein, deine Teilnehmer*innen an die Termine (z.B. am Tag vor der Datenerhebung) zu erinnern und Ansprechpartner*in zu bleiben und zu sein.

Wie und wo kann man Rekrutieren? DROP-DOWN

Die persönliche Kontaktaufnahme ist oft die erfolgreichste. Dennoch müssen die wissenschaftlichen Standards erfüllt werden! Auch deine Rekrutierung sollte also eine Standardisierung umfassen, die du auch in deiner Arbeit festhältst. (Hier unter „Methodik“ findest du mehr dazu)

Zu empfehlen ist es, viele verschiedene Wege zu wählen und so möglichst viele Personen zu erreichen. Meiner Meinung nach ist zu beachten, dass gewisse Medien häufig eine bestimmte Personengruppe ansprechen. Das Medium sollte also in Abhängigkeit der einzuschließenden Altersgruppe ausgewählt werden.

Erfahrungsgemäß ist eine wiederholte Kontaktaufnahme oft notwendig. – Manchmal verschwinden E-Mails auch im Spam. Meine persönliche Faustregel war immer, dass ich niemanden öfter als drei Mal kontaktiere.

Wo kann die Rekrutierung stattfinden?

– Printmedien, wie Flyer, Aushänge, Zeitung

– Digitale Medien, wie soziale Medien (Instagram, Facebook, WhatsApp etc.), Rundfunk, Internetportale

– Verbände, Vereine, Institutionen, Kongresse

– E-Mailverteiler

– Listen: Mitglieder*innen oder Therapierende

– Personen z.B. Mitarbeitende

– Schwerpunktpraxen

– Selbsthilfegruppen, Patientenorganisationen

– Apotheken, Arztpraxen, Krankenhäuser

– Portale, wie LOMERIO, ResearchGate und LinkedIn

– Probandendatenbanken, Patientenregistern (z.B. auch von Kliniken)

– Register klinischer Studien:

https://www.drks.de/drks_web/

https://www.clinicaltrialsregister.eu/about.html

https://www.ema.europa.eu/en

https://www.cochrane.de/de

https://clinicaltrials.gov/

Hier können durchzuführende Studien registriert werden und Interessenten können deine Studie so finden und auf dich zukommen.

– Outsourcen: Es gibt Firmen, die die Rekrutierung von Studienteilnehmer*innen übernehmen

– …

Hier findest du weiterführende Infos:

https://toolbox.eupati.eu/resources/aufnahme-in-klinische-studien/?lang=de

Nochmal mein Hinweis: Für diesen Prozess ist unbedingt ausreichend Zeit einzuplanen!