Themenfindung

Themenfindung

Man kann auf vielen Wegen zu dem eigenen Forschungsthema kommen. Grundsätzlich wird insbesondere für erste wissenschaftliche Arbeiten dazu geraten über ein aktuelles Thema zu schreiben, das einen interessiert, über das man Vorkenntnisse hat und das keine Pionierarbeit ist.

Meine Meinung ist, dass es wirklich dein Thema sein sollte und du motiviert bist dieses Thema zu bearbeiten. Oft wird davon abgeraten ein Thema zu wählen, für das man sehr passioniert ist. – Ich persönlich habe diesen Satz immer gehasst, aber weiß aus eigener Erfahrung, weil ich das ignoriert habe, wie exorbitant ein Forschungsprojekt werden kann, wenn man seiner Passion nachgeht. MEHR LESEN

Mein Tipp ist daher an dich: Im Moment ist es (noch) so, dass Institutionen häufig sehr rigide sind und es vielmehr um die Abgabe der Arbeit, als den eigentlichen Erkenntnisgewinn und die ‚Sache an sich‘ geht. Sei dir der Voraussetzungen und Möglichkeiten, deinen Rahmenbedingungen bitte unbedingt bewusst bei deiner Themenfindung. Überlege dir bitte gut, warum und mit welchem Ziel du deine Arbeit schreibst und entscheide dann, wie es für dich gut ist! (Siehe auch: Aller Anfang)

Auf keinen Fall muss dein Thema aber deine Leidenschaft sein! Es ist trotzdem ‚nur‘ eine Arbeit, die du auch als sollte ‚abhaken‘ kannst. Du kannst dich auch einfach in einem Thema vertiefen wollen, dass du möglicher Weise für deine berufliche Ausrichtung nutzen möchtest.

Grundsätzlich gibt es vier methodische Themenansätze:

(Hinweis siehe auch: Aller Anfang und Forschung)

Literaturarbeit: reine Analyse und Auswertung

Sehr strukturiert, stringent und abzuarbeiten – ideal für fokussierte Menschen, die gerne introvertiert arbeiten, nichts für jemanden, dem Lesen und Textverständnis schwerfällt!

Praxisarbeit: Erforschung einer Handlungsempfehlung

Falls dies in Kooperation mit einer Firma, einem Verband, Professor … geschieht ist die Grundvoraussetzung eine reibungslose und sehr gute Kommunikation!

Evaluationsarbeit: Bewertung eines Instruments (z.B. Messung oder Befragung), Prozesses (z.B. der Praxis) oder einer Methode (z.B. Technik)

Eine überwiegend theoretische Arbeit mit einem praktischen Anteil und potenziell erfinderischer Arbeit. Insbesondere für alle mit Vorkenntnissen super. – Eine herzliche Einladung an alle Ingenieure zum Beispiel

Aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch, wie schwer (und dennoch potenziell wertvoll) es ist eine Messmethode sich auszudenken.

Empirische Arbeit: mit einer Umfrage oder einem Experiment

Schwierigkeit: Abhängigkeit von entscheidenden Faktoren im Außen, großer Organisationsaufwand, gleichzeitig schlechter planbar.

Definitiv eher etwas für extrovertierte und kommunikative Menschen.

Die große Frage ist: Welche Forschungsfrage(n) soll(en) bearbeitet werden?

Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Fragen:

– epistemologische Fragen

– ontologische Fragen

– epidemiologische Fragen

– diagnostische Fragen

– differenzial-diagnostische Fragen

– therapeutische Fragen

– empirische Fragen

– theoretische Fragen

Eine ausgiebige Recherche empfiehlt sich als solide Grundlage für deine Themenfindung.

Mein Tipp: dokumentiere sofort alles und speichere dir interessante und relevante Informationen sofort ab. Achte insbesondere darauf, dass du dir die Schlagwörter, Datenbanken und Quellen notierst. (Siehe unbedingt auch: Programme)

Häufig ist es so, dass ein praktisches und/oder theoretisches Problem zur Formulierung einer Forschungsfrage führt und zu einer Forschungsarbeit motiviert. Daher kann dir helfen mit Kollegen/Kolleginnen, Mitstudierenden, Lehrpersonen, Therapierenden, Patienten/Patientinnen, Freunden und Bekannten zu sprechen. Durch den Austausch können dir viele Dinge klar werden, Fragen aufkommen, beziehungsweise Unklarheiten und Wissenslücken deutlich werden.

In vielen anderen Wissenschaften und Studiengängen ist es üblich sich auf ein „größeres“ Forschungsprojekt zu bewerben und ein konkretes, bereits vorgeschlagenes Thema zu bearbeiten. Dieses ist häufig in einen weitgreifenden Gesamtkontext eingebettet. Oft ist es so, dass Professoren, Firmen oder Institutionen ein großes Forschungsprojekt haben, dass untergliedert wird in mehrere Teilaspekte, die dann von unterschiedlichen Studierenden über einen längeren Zeitraum bearbeitet/abgearbeitet werden. – Bisher ist das in der Osteopathie jedoch (noch) nicht der Regelfall.

Institutionen geben jedoch häufig Themenvorschläge. Indirekte Themenvorschläge könnten auch die bisherigen Forschungsprojekte deiner Professoren/Professorinnen und Betreuer*innen sein. An ihre bisherigen Arbeiten könntest du anknüpfen. Die Vorteile hierbei sind, dass du jemanden hast, der sich mit dem Thema bereits gut auskennt und auch die Schwierigkeiten kennt und du das Interesse der Person sehr wahrscheinlich weckst. Du kannst dich allerdings auch an Forschungsprojekten außerhalb deiner Institution orientieren. Gegebenenfalls sind auch Kooperationen, beispielsweise mit Krankenhäusern, Firmen oder anderen Fachbereichen möglich. – das Stichwort ist ja ‚transdisziplinäre Wissenschaft‘, daher ist auch eine multizentrische Herangehensweise bzw. multidisziplinäre Zusammenarbeit sehr interessant.

Es ist super, wenn du schon erste Ausgangsüberlegungen hast.

Mein Tipp ist allerdings: Versteife dich aber noch nicht, sondern bleibe offen, insbesondere gegenüber Anregungen und Vorschlägen! Deine Ausgangsüberlegungen müssen in jedem Fall präzisiert werden und eventuell auch nochmal geändert werden! Da du ein Projekt für einen langen Zeitraum vor dir hast nehme dir viel Zeit, um dir dein Thema gut zu überlegen.

Noch ein kleiner Exkurs: Was muss bei einem Forschungsvorhabens alles beachtet werden?

– ethische,

– rechtliche,

– soziale,

– technische,

– ökonomische und

– politische Hintergründe.

Mit Überlegungen und Ideen kannst du dann an deine*n (potentielle*n) Betreuer*in herantreten. (Siehe auch: Allg. Tipps und Hilfe: Betreuungsgespräche)

 

Zurück zu der großen Frage: Welche Forschungsfrage(n) soll(en) bearbeitet werden?

Nicht ganz davon zu trennen ist die Frage: Welche Forschung braucht die Osteopathie?

 

Was ist Osteopathie überhaupt?

Was ist die Philosophie der Osteopathie? Was ist die osteopathische Behandlung?

 

Ich habe mich im Rahmen meiner Masterarbeit mit dieser Frage beschäftigt und möchte an dieser Stelle auf meine Artikel verweisen.

Ich bin davon überzeugt, dass eine intensive und ausgiebige Beschäftigung mit A.T. Still und seinen Büchern und Notizen (im Museum in Kirksville) DIE Grundlage zur Erforschung der Osteopathie und osteopathischer Gedanken bilden sollten und müssen. Es lässt sich zwar vermuten, dass auch sie nicht ‚alles‘ sind, aber sie sind zumindest ein Anfang. (Hier findest du noch mehr Infos: Tipps und Tricks für Stills Schriften)

Auch habe ich an diversen Stellen bereits auf die Sprache in der Osteopathie hingewiesen. Die Linguistik ist ein Wissenschaftsfeld, deren Forschung ebenfalls sehr vielversprechend sein könnte. (Siehe auch: Allg. Tipps und Hilfen: Begriffe in der Osteopathie und Literaturrecherche)

Darüber hinaus habe ich ein paar Ideen gesammelt:

– Womit hat sich Still beschäftigt?

– Welche Literatur hat Still gelesen?

– Welche Osteopathen und Osteopathinnen haben die Osteopathie seit Still geprägt? Warum? Wie?

– Welche Werdegänge haben bedeutende Persönlichkeiten der Osteopathie durchlaufen? Wie sind sie zu dem/der geworden, die einen so großen Einfluss hat?

Ein paar Gedanken zu Wirkungsstudien:

– Wohl eines der größten Anliegen sollte die Suche nach Ursache(n) und Wirkung(en) sein.

– Wir könnten viele Einzelstudien am Individuum Patienten/Patientinnen und/oder Therapeuten machen, die alles beleuchtet.

– Individuelle Prä-Post-Studien die objektive und subjektive Beobachtungskriterien integriert und den Effekt auf allen Ebenen, des Triune Man abgreift.

– Voraussetzung dafür ist jedoch das Wissen und Verständnis über die verschiedenen Ebenen, des Triune Man, sowie der Behandlung der Osteopathie.

– Aus all den Einzelfallstudien können dann systematische Übersichtsarbeiten entstehen und Korrelationen, Kausalitäten, Gemeinsamkeiten, Unterschiede etc. herausgearbeitet werden. Damit ergibt sich aus epistemisches Erfahrungswissen, die Grundlage, auf der Still wohl ebenfalls aufgebaut hat.

– Voraussetzung dafür ist aber u.a. die Dokumentation der Ursache(n), Behandlung(en) und der (Aus-)Wirkung(en).

– Hilfreich könnten Erfahrungsberichte und Reflexionen von Patienten/Patientinnen, Therapeuten/Therapeutinnen und Dozenten/Dozentinnen sein. Auch Selbstreflexionen des Werdegangs und von Erfahrungen der Beziehung(en) von Ursache-Wirkung könnten interessant und aufschlussreich sein.

– Patienten könnten systematisch über viele Jahre, nach Möglichkeit sogar ab Geburt begleitet und beobachtet werden. Derartige Langzeitbeobachtungsstudien gibt es auch in der Medizin. Als ein Beispiel möchte ich dir GINI-Studie anbringen: https://www.ginistudie.de/

– Zentrale Frage werden sein: Was passiert, wann, wie, warum in welcher Ebene, in welchem System und in welchem Bereich des Patienten? Hierfür ist es womöglich sinnvoll und wichtig erst das Individuum zu betrachten, um dann möglicherweise einen Konsenz herauszufinden.

– Studien am Individuum sind eine große Herausforderung. Vielleicht kann das ‚Human Design‘ als (meiner Meinung nach) die Individualwissenschaft eine moderne Orientierungshilfe bieten.

– Anfangen kann aber jeder auch erstmal bei sich selbst: Wie diagnostiziere, untersuche, behandle ich? Was spüre ich? Womit palpiere ich? Womit nehme ich, wie, was wahr? Womit arbeite ich? Woran mache ich meine Behandlung fest? – Hierzu kann man natürlich aber auch Interviews und Befragungen durchführen.

… und … und … und …

Falls du Hilfe brauchst oder dich meine Arbeit und Herangehensweise interessiert, darfst du dich gerne bei mir melden. Möchtest du Kontakt mit mir aufnehmen? Hier findest du meine Kontaktdaten.

 

Diese Liste wird sich erweitern und entwickeln!

– Ich arbeite an weiteren Impressionen aus Stills Texten.

Kennst du schon mein Instagram Profil? osteopathy_search_lomerio

– Ich würde es befürworten, wenn sich Forschungsteams und Forschungsschwerpunkte entwickeln, die in großen Forschungsprojekten arbeiten.

– Ich erachte es für sehr wichtig, dass Forschungsarbeiten zugänglich publiziert sind und denke, dass dies gefördert werden sollte.

– Falls du auch Ideen hast, darfst du dich gerne bei mir melden! Ich freue mich diese Webseite gemeinsam mit dir zu entwickeln!